Mit dem Fahrrad auf dem Jakobsweg

 

 

Eine Radtour besonderer Art die Pilgerfahrt mit meinem Schwager von Mureck bis nach Santiago de Compostela bzw. zum Kap Finisterre am Atlantik in Spanien.

Am 2.Mai starteten wir mit unseren von der Firma Radfuchs generalüberholten Fahrrädern. Wir wurden am Hauptplatz von Frau Vzbgm. Waltraud Sudy und einigen „Fans“ herzlich „verabschiedet“ und auch Stadtpfarrer Kügerl gab uns für dieses „Unternehmen“ den Segen. vor der Stadtpfarrkirche.

Die Pilgerfahrt führte von Mureck über Leibnitz (Stadtpfarrkirche ist dem hl. Jakobus geweiht), dem Radlpass ins Drautal (Slowenien), nach Lavamünd, den Drauradweg entlang nach Innichen in Südtirol, Bruneck, Sterzing, Brennerpaß, Innsbruck, St.. Anton am Arlberg, Bludenz, Hohenems, Rohrschach am Bodensee (Schweiz), St. Gallen, Wattwil, Rapperswil am Züricher See, Einsiedeln, Schwyz, Brunnen am Vierwaldstättersee, Brünigpass, Brienz am Brienzersee, Thun am Thunersee, St. Antoni (1000 km), Freiburg, Romont, Lausanne am Genfer See, Genf, Perly (Grenzübergang nach Frankreich), Chanaz, Yenne, Le Pin, La Cote St. Andre, Faramans, Bourg Argental, Le Tracol, Mountfaucon en Velay, Le Puy en Velay, Montbonnet, Saugues, Les Faux, Rimeize, Aumont Aubrac, Nasbinals, Estaing, Conques, Livinhac le Haut, Figeac, Cahors, Moissac, St. Antoine (2000 km), Condom, Euze, Nogaro, Pimbo, Navarrenx, St. Jean Pied de Port (Startpunkt für viele Pilger vor den Pyrenäen, Arneguy, Grenze Frankreich – Spanien in den Pyrenäen, Puerto de Ibaneta auf 1055 m (Pyrenäenpaß), Espinal, Pamplona, Estella, Ayegui, Logrono, Santo Domingo, Viloria de Rioja, Burgos, Fromista, Carrrion de los Condes, Sahagun, Leon, Astorga, „Cruz de Ferro“ (Eisernes Kreuz auf 1530 m Seehöhe – höchster Punkt des Camino in Spanien), Ponferrada, Alto de Poio, Triacastela, Samos, Melide, Arzua, Santiago de Compostela ( 3125km), Capo Finisterre (3233km - westlichster Punkt von Spanien am Atlantik – erreicht am 5. Juni 2005).

 

Wetter: Bis Genf relativ kühl – am Arlberg Schneesturm – am Brenner nur 6 Grad Celsius – in Frankreich 2 Tage Regen – ansonsten in den 5 Wochen überwiegend schönes sonniges Wetter.

Wir sind, wenn es möglich war, direkt am Jakobsweg gefahren, sonst haben wir Radwege bzw. Straßen parallel dazu benutzt.

Genächtigt wurde in privaten Unterkünften, Jugendherbergen, Pilgerherbergen (Refugios wie alte Kapellen, ehemalige Kirchen, Klöstern, Sporthallen - mit und ohne Kochgelegenheit). Es gab Betten, Stockbetten oder auch nur einfache Matratzenlager (bis zu Hundert in einem Raum). 

Der Pilgerweg führt durch unterschiedlichste, wunderschöne Landschaften. Auf Grund der Jahreszeit  haben wir blühende Täler, bunten Wiesen, prächtige Hochebenen aber auch karge Landschaften erlebt. Es ging von einem Tal ins nächste, ein ständiges „auf und ab“. Dabei haben wir  ca.  30 000 Höhenmeter überwunden.

 

Schon seit Jahrhunderten überzieht ein dichtes Pilgerwegenetz (Jakobswege) Europa zum Apostelgrab am „Ende der Welt“.

1987 erhob der Europarat die Pilgerwege nach Santiago zur Ersten Kulturstrasse Europas – die UNESCO klassifiziert sie heute als Weltkulturerbe der Menschheit.

 

Die meisten Pilger sind zu Fuß unterwegs. Sie kommen aus allen Erdteilen und beginnen den doch sehr  beschwerliche  Pilgerweg vor den Pyrenäen in St. Jean Piere de Port (Frankreich – „Navarrischer Weg“) ca. 800 km bzw. in Pamplona (Spanien – „Camino Frances“)  ca. 750 km bis Santiago de Compostela. Einige pilgern weiter bis „Capo Finisterre“ am Atlantik (100 km).

Man trifft auf dem Jakobsweg „Jung und Alt“, „Groß und Klein“, „Frau und Mann“, „Gesunde und Kranke“, „Gruppen -Ehepaare und viele, viele Solisten“, alle mit dem gleichen Ziel „Santiago de Compostela“.

 

Die Geschichte des Jakobsweges beginnt mit der Lebensgeschichte des Apostels Jakobus, einer der vier ersten Jünger, die Jesus auserwählte. Der Legende nach wurde er im heutigen Santiago begraben, wo im 9. Jahrhundert seine Gebeine gefunden wurden. Waren es vorerst nur Gläubige aus der Umgebung welche diese Pilgerstätte besuchten, erlebte sie im Mittelalter einen gewaltigen Ansturm an Pilger aus ganz Europa, die Heilung suchten oder um Vergebung baten. Daraus resultierte ein immenser Kirchen- und Klosterbau entlang der Pilgerstrecke, welche auch heute noch als Unterkunfts- und Labstationen dienen.

Heute ist nicht nur der Glaube allein der Antrieb für die weite, beschwerliche Wanderung bzw. Fahrt, sondern vielmehr die Suche nach dem eigenen Ich, das Erkennen der eigenen geistigen und körperlichen Grenzen, das Interesse an der Historie, der Kultur am Jakobsweg, die Begegnung mit den vielen Menschen aller Nationen.

 

 Ich wollte damit auch noch meine „Dankbarkeit“ ausdrücken, dass mein bisheriger Lebensabschnitt bis zu meiner Pensionierung ohne große Schwierigkeiten, eigentlich recht glücklich und harmonisch, größtenteils in unserem schönen Mureck, verlaufen ist.

 

Es war ein „Abenteuer“ von dem wir glücklich, zufrieden und um vieles „reicher“, aber doch wieder sehr gerne in unsere Heimat zurückgekehrt sind, wo wir von der Familie und vielen Freunden empfangen wurden.

 

Franz Wieser