REMOTE CONTROL WEBTRANSCEIVER

 

 

Robertissimo (OE1HOW) und ich (OE1NAC) suchten schon seit einiger Zeit ein Neues, für uns interessantes Betätigungsfeld.

Da ich nach meiner letzten Übersiedelung nicht mehr die Möglichkeit habe, eine Antenne auf mein Dach zu montieren, kam mir eine Idee:

Ich benütze die Station von OE1HOW von mir zu Hause aus!

 

Prinzipiell wusste ich ja wie es geht, da ich einige Zeit selber einen Simplex-Echolink-Gateway in meiner alten Wohnung betrieben habe.

Weil Robertissimo kein wirklicher „Quatscher“ ist, überlässt  er mir sehr gerne diesen „anstrengenden“ Teil unserer Hobbys und wir kommen uns in diesem Punkt nie in die Quere.

Somit bin ich jetzt öfters auf den Bändern über OE1HOW zu hören.

Um mit der österr. Gesetzgebung konform zu gehen, sitzt Robertissimo die ganze Zeit als Chief–Operator an der Hauptstation und überwacht die technischen Einrichtungen sowie den Funkverkehr (Logbuch etc.).

Damit ich das „Strich 1“ nicht ständig durchgeben muss, habe ich bei OE1HOW meinen Zweitstandort angemeldet.

 

                                                                                                                                   

(zum Vergrößern Bild anklicken)          car3  OE1NAC ---à    via Internet ---à    zu OE1HOW image028

 

 

In letzter Zeit wurde ich mehrmals gefragt, ob es denn recht kompliziert sei, eine Remote-Station aufzubauen. Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, eine kurze, leicht verständliche Beschreibung sowie einen Erfahrungsbericht zusammenzustellen.

 

Folgende Komponenten müssen vorhanden sein:

 

 

 

Die Steuerung des Funkgerätes erfolgt bei uns ausschließlich über Ham Radio Deluxe (HRD).

Dieses Programm ist sehr professionell erstellt und lässt fast keine Wünsche offen.

Auch für digitale Betriebsarten ist dieses Programm bestens vorbereitet, wir haben hier jedoch noch keine Erfahrungen sammeln können.

Für Klubs eignet sich z.B. das Programm von W4MQ, welches mehr auf eine große Zugriffspersonenanzahl konzipiert ist (nicht so umfangreich aber leichter zu bedienen, siehe auch Bericht von OE8KDK hier).

 

HRD unterstützt ebenfalls die Rotorsteuerung unseres Prosistel PST 71D.

Eine visuelle Überprüfungsmöglichkeit des Rotorsteuergerät ist durch eine Server-WebCam gegeben, welche sich nach Bedarf über das Internet ein- und ausgeschalten lässt.

 

Die Audioübertragung erfolgt völlig unabhängig von HRD. Hierfür setzen wir das sehr bekannte und weit verbreitete Programm „Skype“ ein. Dieses eignet sich hervorragend für die Stimmübertragung in beiden Richtungen, ich werde meistens für meine besonders schöne Modulation gelobt. Nach unserer Meinung ist Skype derzeit das beste Programm im Bezug auf Audioqualität UND benötigter (geringer) Bandbreite, obendrein müssen hierfür keinerlei Ports am Router Freigeschalten werden (wichtig bei Verwendung in Hotels oder Flughäfen etc.).

 

Ein anderer Punkt, den wir für unsere Remote-Station benötigen, ist die Möglichkeit den Hauptcomputer ein- und auszuschalten.

Dies ist prinzipiell recht einfach, da fast jedes Motherboard über die Einrichtung „Wake On Lan“ verfügt.

Der Hauptcomputer wird hierfür in den „Ruhezustand“ (nicht „Standby“ und auch nicht “Ausschalten“!) versetzt und von außen (Internet) über ein „Magic Packet“ = externes Programm wieder hochgefahren.

Da dieses Thema leider komplexer ist als es scheint, haben wir uns (nach vielen Stunden/Wochen „herumbasteln“) für eine andere Lösung entschieden:

 

An der Hauptstation sitzen funkferngesteuerte Stromsteckdosen, die über das Festnetztelefon (durch Eingabe von DTMF-Töne) gesteuert werden.

Somit besteht die Möglichkeit, über die Telefonleitung, alle Stationsgeräte (auch den Haupt-PC!) getrennt oder gemeinsam ein- bzw. auszuschalten.

Ein ungewollter Dauersendebetrieb ist ebenfalls ausgeschlossen da die TS-2000 über eine einstellbare Sendedauerlimitierung/bzw. Gesamtdauerlimitierung (z.B. 5 Min./2 Std.) verfügt.

 

 

Notwendige Anschlüsse:

 

Am Funkgerät zum Hauptcomputer: RS232 für die CAT Steuerung, Mikrofoneingang, Audioausgang, PTT-Sendeumschaltung.

Eine galvanische Trennung ist unbedingt erforderlich. Hier empfehle ich die Verwendung eines Soundkarten-Interfaces.

Skype bietet als Option die „automatische Annahme“. Somit startet die Hauptstation das Audiosignal nach Anruf durch die Remote-Station automatisch.

An den Computern sollten Markensoundkarten eingebaut sein (wobei die Günstigste es ebenfalls tut). Ich empfehle auch, jeweils eine zweite Soundkarte einzubauen, um im Bedarfsfall eine Intercom-Verbindung zwischen Chief-Operator und Remote-Operator zu ermöglichen (für den Laptop gibt es ums „kleine Geld“ USB-Soundkarten, meist notwendig da die Eingebaute in der Regel „Schrott“ ist).

 

Ein ganz wichtiger Punkt ist in meinen Augen die Abstimmung des Systems. Robertissimo und ich haben hier sehr viel Zeit und Feingefühl aufgewendet um eine wirklich optimale Lösung zu finden. (Soundkarteneinstellungen auf beiden Computern, Mic-Gain etc.)

 

 

Funkgerät:

 

Prinzipiell läuft HRD mit einer Vielzahl von Funkgeräten. Wir haben uns für die TS-2000 entschieden da hier jeder CAT-Befehl realisierbar ist und dieses Gerät obendrein den Betrieb auf 2 Meter und 70 Zentimeter ermöglicht. Durch die bereits eingebaute RS232 Schnittstelle entfällt bei der TS-2000 auch das CAT-Interface.

Über dieses Gerät wird sehr viel „herumgemeckert“, wir haben es an einer absoluten Hochleistungsantenne angeschlossen (Optibeam OB 18-6) und sind damit sehr zufrieden. Der Unterschied zum High End Gerät TS-950 SDX, welcher ebenfalls verfügbar ist, empfinden wir im Remote-Betrieb als vernachlässigbar.

Kurz gesagt: Die Station die wir mit der TS-950 SDX arbeiten, ist auch über die TS-2000 zu hören und zu erreichen.

 

 

Computer, Internet:

 

Wie schon oben erwähnt sollten die Computer mit Windows 2000 oder höher ausgestattet sein.

Da HRD keinen all zu großen Leistungsanspruch an den Prozessor stellt, sind hier auch ältere Computer einsetzbar.

 

Die Internetverbindung ist allerdings von entscheidender Bedeutung! Besonders auf die Uploadgeschwindigkeit ist zu achten!

Hier steht oder fällt das Projekt!!!

Wir hatten mit Chello Light anfangs große Probleme da die Uploadgeschwindigkeit bei nur 128 kbit/s lag. Dies war für HRD+Skype+Intercom+VNC-Server+WebCam dann doch etwas zu wenig Bandbreite.

Seit Chello die Uploadgeschwindigkeit auf 256 kbit/s erhöht hat, findet seltener ein Verlust von Datenpakete statt. Jedoch mussten wir feststellen, dass besonders in den Abendstunden bei starker Belegung der Internetleitungen auch dieser Wert noch nicht ausreichend ist. Dies macht sich durch ein „Gackern“ in der Modulation bemerkbar. Deshalb sollte nach meiner Meinung die Uploadgeschwindigkeit bei >384 kbit/s liegen.

Da die üblichen Downloadgeschwindigkeiten bei Breitbandverbindungen fast immer im Bereich >1 Mbit/s liegt, kommt es so gut wie nie zu Datenpaket-Verluste auf der Empfangsseite der Remote-Station.

Wir haben auch festgestellt, dass die Bedienung der Remote-Station von sehr weit entfernten Punkten aus (z.B. PY – OE), nur mit ausreichender Erfahrung des Remote-Operator zu bewerkstelligen ist. Die Pakete brauchen einfach eine bestimmt Zeit um die gewünschten Änderungen auf der Serverstation vorzunehmen, d.h. man muss sich gedulden und auf die Bestätigung warten. Ein dazwischen gesetzter neuerlicher (gleicher) Befehl „verwirrt“ das System und verhindert so den Funkbetrieb.

Ich empfehle einen „Fair Use“-Vertrag, da die Datenmenge nach einigen Stunden Funken weit mehr ist als man annimmt (ca. 350 MB für 5-6 Std.)

 

 

Antennenumschaltung:

 

In unserem System sind drei Antennen vorhanden: eine Richtantenne für 10-40 m, ein Dipol für 80 und 160 m sowie eine Vertikalantenne für UKW.

Die Umschaltung erfolgt über HRD da die TS-2000 drei Antenneneingänge besitzt die wahlweise eingestellt werden können.

 

 

Endstufe:

 

Wir verwenden eine komplett über das Internet fernsteuerbare Transistorendstufe der Type Expert 1K-FA. Diese Endstufe ist für unsere Remote-Station bestens geeignet da sich alle Parameter über die CAT-Schnittstelle steuern lassen.

Ebenfalls könne gleichzeitig zwei Transceiver angeschlossen werden. Somit ist nun auch die TS-950 SDX voll in unser System integriert (über ein Microham USB-Interface).

Die Ein- und Ausschaltung der Endstufe wird über die funkferngesteuerten Stromsteckdosen realisiert.

Da sich die Expert bei schlechtem SWR automatisch neu abstimmt,  brauchen wir uns über ein zu hohes Stehwellenverhältnis ebenfalls keine Gedanken machen. Die visuelle Überprüfung der Leistungsdaten (Ausgangsleistung, Temperatur, Protect-Auslösung, etc.) erfolgt über ein Computerprogramm sowie über die Server-WebCam.

 

 

CW:

 

Derzeit haben wir hier noch keine Erfahrung, ich möchte aber meine elektronische Taste sobald als möglich einbinden.

 

 

Erfahrungsbericht aus der Sicht der Remote-Station (siehe auch Tipps & Tricks):

 

Für die Fernbedienung mittels HRD habe mir einen 12“ Laptop zugelegt.

Die Anforderungen an das Headset sind ebenfalls sehr gering, meine 7 € Kombination erzeugt eine sehr schöne Modulation.

 

Zusammenfassend kann  ich behaupten, dass diese Art von Funken wirklich Spaß macht.

Man vergisst sehr schnell, dass man nicht wirklich an der Funkstation sitzt.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Einstellung der Frequenz da ja kein Drehrad vorhanden ist. Die Frequenzeinstellung erfolgt über Schieberegler, Mausrad oder durch Eingabe der Frequenz.

Ich würde mir hierfür das Bedienteil der TS-2000 mit einem USB-Anschluss an den Laptop wünschen! (technisch absolut machbar! - Dann wäre auch das 100%ige „Amateurfunk-Feeling“ mit dabei)

Update: Dank des Countor ShuttleXpress Eingabegerätes ist nun doch ein Drehrad zwecks Frequenzeinstellung verfügbar!

 

Auch der Pile Up – Verkehr ist mit einer anderer Betriebstechnik zu praktizieren: Da internetbedingt eine kurze Verzögerung auftritt, sollte 1-2 sec. vorher mit dem Rufen begonnen werden, sonst ist man einfach immer zu spät.

Dem bekannten Einwand, dass es sich hier nicht um Amateurfunk handelt, kann ich absolut nichts abgewinnen!

Wir arbeiten hier mit einer regulären Funkanlage, nur ist halt der Sessel nicht am Funktisch sondern 0 - 15.000 km entfernt.

Die Anwendungsmöglichkeiten sind dank der heutigen finanziell leistbaren Mobilbreitbandkarten enorm. Unabhängig vom Standort, kann (nach Genehmigung des unbemannten Remotebetriebs durch die österr. Behörde) von  überall aus Amateurfunkbetrieb durchgeführt werden (im Zweit-QTH, während der Mittagspause, im Freibad, am Berg, im Urlaub etc).

Wir alle haben ja viel Geld für unsere Funkgeräte und Antennen ausgegeben und können so, mittels dieser Technologie, unsere Anlagen weit besser ausnützen.

Ebenfalls sollten wir nicht außer Acht lassen, dass unser Hobby eher am absteigenden Ast ist und es daher einfach notwendig wird, durch aktiven Funkbetrieb unsere Bänder und unser Hobby am Leben zu erhalten.

Auf der anderen Seite gibt es viele OM´s die aus verschieden Gründen keine Möglichkeit haben Antennen aufzustellen. Die Remote-Station eines Freundes oder eines Klubs gibt ihnen auch die Möglichkeit aktiv am Funkbetrieb teilzunehmen.

 

Ein zukünftiges neues Betätigungsfeld könnte auch die D-STAR Technologie für diese Anwendung werden. Hier hätten wir dann die Möglichkeit auf das Internet zu verzichten und die Datenpakete für die Steuerungen sowie Audioübertragung über spezielle Umsetzer (oder auch Simplex) zu senden.

 

Den großen Unterschied zu Echolink sehe ich in der Freiheit bezüglich Bänder und Betriebsarten. Während Echolink mehr dazu dient, Amateurfunkfreunde auf einen bestimmten Umsetzer von entfernten Punkten zu erreichen, sehe ich die Remote-Station als ein Medium um praxisbezogenen Amateurfunkbetrieb durchzuführen.

 

Es wird speziell in den Städten immer schwieriger und umständlicher ernstzunehmende Antennen auf Dächern zu montieren. Dank der für uns noch positiven Rechtsauslegung brauchen wir uns über genehmigte und bereits aufgestellte Antennen keine großen Sorgen machen.

 

Ob das auch in Zukunft so bleibt, bezweifle ich aber… und was machen wir dann?

 

 

Für Fragen und Anregungen stehe ich Euch gerne zur Verfügung.

 

 

73 von Carlos, OE1NAC, HK1NAC, KM4NA

 

 

PS: mein spezieller Dank gilt natürlich Robertissimo der mir diesen tollen Zugang erst ermöglich hat!