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Legendäre Funkgeräte


Elecraft K2

Ein gutes Funkgerät zu bauen, ist unvorstellbar schwer. Offensichtlich gehört nicht nur große Erfahrung, sondern auch Glück dazu. Es gilt, den richtigen Kompromiss aus Preis, Empfindlichkeit, Großsignalfestigkeit, Funktionsvielfalt, Ergonomie und anderen Kriterien zu treffen. Wichtig ist auch das Verhalten der AGC. Es ist nie nur eine Zahl, die hier alles entscheidet! Deshalb lohnt es sich, diejenigen Geräte anzusehen, die die Funkamateure besonders gerne benutzen.

Hier sind ein paar Funkgeräte aufgelistet, mit denen ich selbst gefunkt habe, die mir von Freunden empfohlen wurden, oder die sonstwie als besonders gute Geräte aufgefallen sind. Ich hätte nicht gedacht, dass diese Liste so kurz werden würde!

Was macht ein gutes Funkgerät aus? Bei einem Allround-Gerät sind Preis und Großsignalfestigkeit besonders wichtig. Gute Freunde, deren Meinung ich sehr schätze, empfehlen derzeit den Kenwood TS-590SG. Der Elecraft K3 hat einen zweiten Empfänger und ist unter DXpeditionären verbreitet.

Es kommt natürlich immer auf die Anwendung an. Ein Gipfelstürmer kann mit einem TS-590SG gar nichts anfangen, dafür ist der zu schwer und zu stromhungrig: Der TS590SG wiegt 7,4 kg und verbraucht bei Empfang 1,5 A. Da sind der K2 und der KX3 viel leichter und sparsamer.

Der Wert für die "Dynamic Range Narrow Spaced" von Rob Sherwood ist jeweils angegeben (in Klammern der Abstand). Eine hohe Dynamic Range (im Abstand von 2 bis 3 kHz) ist ein Zeichen für eine gute Großsignalfestigkeit. Rob Sherwood empfiehlt eine Dynamic Range von 80 dB oder mehr (Dayton Contest Universtiy 2008). Die ARRL nennt diesen Wert RMDR. Ein weiterer charakteristischer Wert ist der Interzeptpunkt dritter Ordnung (IP3) bei 2 bis 5 kHz ohne Vorverstärker. Die IP3-Werte hier stammen von der ARRL. Die Großsignalfestigkeit ist wichtig auf den Bändern von 160 m bis 20 m, vor allem wenn große Antennen angeschlossen sind. Für CW ist die Großsignalfestigkeit noch wichtiger als für SSB. In den höheren Bändern, vor allem auf 10 m, ist eine hohe Empfindlichkeit wichtiger als die Großsignalfestigkeit.

Die Zwischenfrequenzen geben Hinweise auf die Stärken und Schwächen der Geräte. Eine besonders hohe erste Zwischenfrequenz führt zu einer besonders guten Unterdrückung der Spiegelfrequenz. Ein gutes Bandpassfilter oder ein Präselektor sind aber auch in der Lage, die Spiegelfrequenz zu unterdrücken, und ermöglichen eine niedrige erste Zwischenfreqzenz. Das hat Vorteile bei CW. Denn bis ca. 12 MHz können schmale Quarzfilter eingesetzt werden, die bei CW die benachbarten Stationen ausblenden können. Unter Telegraphisten sind Geräte mit einer ersten Zwischenfrequenz von 4,9 MHz bis 9 MHz besonders beliebt (z. B. Corsair II und K2).

Brian G8OSN's Tipp zum richtigen Funkgerät ist einfach: Es kommt gar nicht so sehr darauf an, welches Funkgerät Du hast. Viel wichtiger ist, dass Du Dir die Bedienungsanleitung ansiehst und lernst, wie Du mit dem Gerät umgehen musst. Learn to drive it.

Eine interessante Quelle ist John ON4UN's Buch "Low-Band DXing" (5. Auflage, Kapitel 2 und 3). "Oldies" werden nicht mehr hergestellt.

  • Drake R-4C mit Sherwood CF-600/6 Filter. Oldie. Empfänger, der zusammen mit dem T-4XC die "Drake C-Line" bildet. Vorteile: großsignalfest, leicht zu bedienen. Nachteile: keine digitale Frequenzanzeige, keine Computersteuerung. Dynamic Range: 84 dB (2 kHz), Zwischenfrequenzen: 5645 kHz und 50 kHz.

  • DL-QRP-AG Hobo. 10 W. Monobandtransceiver mit steckbaren Bandmodulen. Vorteile: besonders portabel, stromsparend, besonders preiswert, leicht zu bedienen. Selbstbauprojekt und leicht zu reparieren. Nachteil: unpraktische VFO A/B-Umschaltung. ZF: 9 MHz.

  • Elecraft K2 (siehe Bild oben). 2 Versionen: 10 W und 100 W. Vorteile: großsignalfest, portabel, preiswert, leicht zu bedienen, stromsparend, Computersteuerung. Selbstbauprojekt und leicht zu reparieren. Dynamic Range: 80 dB (2 kHz), IP3: 21 dBm (5 kHz), ZF: 4915 kHz.

  • Elecraft K3 (Oldie). 10 W und 100 W. Bestandteil der "K-Line". Vorteile: nicht sehr groß, besonders großsignalfest, zweiter Empfänger, Computersteuerung. Dynamic Range: 107 dB (2 kHz Abstand, 400 Hz Filter, neuer Synthesizer), IP3: 28 dBm (2 kHz, alter Synthesizer), ZF: 8215 kHz, DSP 15 kHz.

  • Elecraft K3S. 10 W und 100 W. Gebaut, um besser zu sein als der K3. Bestandteil der "K-Line". Vorteile: nicht sehr groß, besonders großsignalfest, rauscharm, zweiter Empfänger, Computersteuerung. Dynamic Range: 106 dB (2 kHz Abstand, 400 Hz Filter), ZF: 8215 kHz, DSP 15 kHz.

  • Elecraft KX3. 10 W (100 W mit KXPA100). Vorteile: portabel, großsignalfest, besonders niedriges Phasenrauschen beim Senden, Computersteuerung. Dynamic Range: 104 dB (2 kHz), 65 dB auf dem anderen Seitenband. IP3: 35 dBm (2 kHz). DSP wahlweise auf Audiofrequenzen (als Direktumsetzer) oder 8 kHz.

  • Kenwood TS-590SG (und der Vorgänger TS-590S). 100 W. Vorteile: nicht sehr groß, großsignalfest, preiswert, zwei Sprachspeicher, Computersteuerung. Zwei verschiedene Empfangswege: A) Doppelsuperhet für die Bänder 160 m, 80 m, 40 m, 20 m und 15 m. Dynamic Range: 92 dB (2 kHz), IP3: 29 dBm (2 kHz), ZF: 11,374 MHz, DSP 24 kHz. B) Dreifachsuperhet für die Bänder 30 m, 17 m, 12 m, 10 m und 6 m. Dynamic Range: 76 dB (2 kHz, gemessen mit dem TS-590S), IP3: 8 dBm (2 kHz) ZF: 73,095 MHz, 10,695 MHz, DSP 24 kHz.

  • Kenwood TS-850S mit Inrad 400 Hz Filter. Oldie. 100 W. Früher der Standard-Transceiver des Bavarian Contest Clubs. Vorteile: großsignalfest, leicht zu bedienen, Computersteuerung. Dynamic Range: 77 dB (2 kHz), ZF: 73,05 MHz, 8830 kHz, 455 kHz, DSP 36,892 kHz.

  • SGC SG-2020. Oldie. 20 W. Gutes Einsteigergerät, vor allem für SSB. Vorteile: großsignalfest, besonders leicht zu bedienen, portabel, erweiterbar auf 5 MHz. Mit CW bin ich mit dem SG-2020 nie klar gekommen. Hinweis: RF Gain so weit zudrehen, bis das Hintergrundrauschen abnimmt. ZF: 60 MHz.

  • Ten-Tec Corsair II (561). Oldie. 100 W. Legendäres Gerät für Telegraphie. Vorteile: großsignalfest, leicht zu bedienen, zweiter Empfänger (mit Zusatz-Oszillator). Dynamic Range Corsair: 79 dB (3 kHz), ZF: 9 MHz, 6,3 MHz.

  • Ten-Tec Orion II (566). Oldie. 100 W. Vorteile: großsignalfest, zweiter Empfänger. Dynamic Range: 95 dB (2 kHz), IP3: 21 dBm (2 kHz), ZF: 9 MHz, 455 kHz, DSP 14 kHz.

  • Yaesu FT-1000 D. Oldie. 200 W. Vorteile: gute Ergonomie, zweiter Empfänger, besonders empfindlich auf 28 MHz, Computersteuerung. Produziert Tastklicks und benötigt eine Modifikation (mehr dazu bei W8JI). Dynamic Range: 69 dB (2 kHz), ZF: 73,62 MHz, 8215 kHz, 455 kHz, 100 kHz.

  • Einige viel versprechende Transceiver sind so neu, dass der Langzeit-Feldtest noch nicht abgeschlossen ist:
    • DL-QRP-AG Solf (Selbstbauprojekt)
    • Elecraft KX2.
    • Ten-Tec 539 Argonaut VI (10W, ZF: 9MHz, DSP 22 kHz)

Reaktionszeiten

Wie lange dauert es vom Loslassen der PTT bis zum Hören der antwortenden Station? In den QST-Tests wird die "TX/RX Turn-around time" gemessen.
  • SGC SG-2020: 9,5 ms (QST Oktober 1998)
  • Elecraft K3: 22 ms (QST April 2008)
  • Kenwood TS-590SG: 28 ms (QST Juni 2015)
  • Elecraft K2: 35 ms (QST März 2008)
  • Ten-Tec Corsair II: 35 ms (QST August 1987)
  • Ten-Tec Argonaut VI: 36 ms (QST August 2013)
  • Elecraft KX3: 44 ms (QST Dezember 2012)

Filtereigenschaften

Wie sehen die Durchgangskurven der Filter aus? Hier habe ich die Filter einiger Funkgeräte gemessen: http://www.qth.at/dm3da/Filter

Links

  • Welche Geräte verwenden die Top-Contester bei der WRTC?
    • WRTC 2010: 53 x K3 von 27 aus 48 Teams verwendet.
    • WRTC 2014: 75 x K3 von 40 aus 59 Teams verwendet.
  • Empfängereigenschaften (vor allem Großsignalfestigkeit): Sherwood Engineering
  • Mehr zum Thema Performance, u. a. auch ausführliche Testberichte von Rob Sherwood: DH0IP
  • Zusammenfassung einiger QST-Tests: PA1HR
  • Allgemeine Übersicht zu Empfängereigenschaften: DK9VZ
  • Elecraft-Vertretung in DL: QRP Project
  • Webseite zu Kenwood TS-590S und TS-590SG: Ian G3NRW
  • QRP-Forum zum K2: hier