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Räumliches Hören beim CW





Telegraphiesignale sind normalerweise mono. Wird ein Kopfhörer verwendet, sind die Signale auf dem rechten und linken Ohr gleich. Schon seit langem gibt es Versuche, Morsesignale in Stereo zu empfangen. Denn dann sind die verschiedenen Tonhöhen räumlich getrennt. Ein CW-Signal mit 660 Hz ist beispielsweise genau in der Mitte, während sich ein anderes Signal mit 620 Hz weiter links befindet und ein nächstes mit 700 Hz rechts. Mit solch einer Stereo-Telegraphie laßt sich leichter auf ein bestimmtes Signal konzentrieren, weil es aus einer bestimmten Richtung kommt (Coctail-Party-Effekt).

Die älteste Methode, einen solchen Stereo-Effekt zu erziehlen, hat Karl DJ5IL mit der Schaltung namens Codephaser perfektioniert: Wenn zwei gegenläufige Filter die hohen Töne von den tiefen Tönen trennen und die Töne entsprechend ihrer Frequenz auf die beiden Audiokanäle rechts und links aufgeteilt werden, dann entsteht ein binauraler Effekt, bei der aus jeder Richtung nur eine bestimmte Tonhöhe kommt. Den Codephaser haben Karl DJ5IL und Allen KG4JJH auf ihren Webseiten (hier und hier) genau beschrieben. Dort finden sich auch Hörbeispiele. Im Folgenden soll eine andere Methode gezeigt werden, wie ein etwas anderer Stereo-Effekt gewonnen werden kann. Es handelt sich um zeitversetztes Pseudo-Stereo (englisch delay binaural), bei dem das Monosignal an zwei Stereokanäle weitergeben wird. Der Clou dabei: Eines der Stereosignale wird um einige Millisekunden zeitverzögert. Das Bild oben ist ein Audacity-Screenshot.


Pile-up von Dennis K7BV als HI3TEJ im ARRL DX CW 2005 Contest



Binauraler Empfang ist dann sinnvoll, wenn viele Stationen gleichzeitig rufen. Solch ein Pileup hat Dennis Motschenbacher K7BV während seiner Teilnahme am ARRL DX CW 2005 auf dem 15 m-Band erlebt. Er mir freundlicherweise erlaubt, seine Mono-Aufnahme hier zu verwenden. In dem Buch Experimental Methods in RF Design von Wes W7ZOI, Rick KK7B und Bob W7PUA (ISBN 0-87259-879-9, erhältlich bei box73) wird das zeitversetzte Pseudo-Stereo beschrieben. Dort wird ein 18 MHz-Transceiver für CW und SSB vorgestellt, der das Audiosignal in einem Kanal um 10,7 Millisekunden verzögert. Diese Verzögerung kann nicht verstellt oder abgeschaltet werden. Die Autoren schreiben sinngemäß: Die 10 ms Verzögerung bewirken alle 25 Hz eine Phasenverschiebung um 90°. Daher ändern sich die wahrgenommenen Richtungen sehr schnell, wenn die Frequenz des Empfängers verstellt wird. Das Rauschen ist nicht korreliert und klingt so ähnlich wie ein UKW-Stereo-Radio ohne Antenne.

Wie groß sollte die Verzögerung sein?

Im Forum der DL-QRP-AG www.qrpforum.de, genauer http://www.qrpforum.de/index.php?page=Thread&threadID=4760, gibt es eine Diskussion zu diesem Thema. Die Beispiele sind hier:

Der Stereo-Effekt ist am besten mit Kopfhörern wahrzunehmen. Ich finde, 5 ms bis 10 ms sind genug, ab 20 ms trennen sich die Kanäle und sind nicht mehr pseudo-stereo, sondern merkbar zeitversetzt. Fragen oder Kommentare zu dem Thema bitte im Thread des QRPforums.
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